Schulhund Gipsy

Informationen zum Schulhund am Gymnasium Verl

Die hundegestützte Pädagogik in der Schule hält Einzug in alle Schulformen. Während man den Schulhund früher nur aus Förderschulen kannte, haben inzwischen eine beträchtliche Zahl von Grund- und Gesamtschulen, aber auch einige Gymnasien, einen Schulhund. Das gilt auch für unser Gymnasium.

Was ist ein Schulhund?

Ein Schulhund gehört nicht der Schule, sondern dem Halter. Er tritt in der Schule immer gemeinsam mit dem Halter auf. Hund und Halter sind entsprechend ausgebildet.

Warum ein Schulhund?

Der Schulalltag ist von täglichen Problemen geprägt. Es geht um die Einhaltung von Regeln, um den Umgang miteinander und vor allem immer wieder um Empathie. Deren Fehlen wird zunehmend beklagt, je technisierter und virtueller unsere Gesellschaft wird. Kinder, die mit Tieren aufwachsen, sind verantwortungsbewusster, emphatischer, sozial kompetenter und können besser lernen.

Hunde haben nachgewiesenermaßen psychologische Wirkungen auf ihre menschliche Umgebung, wie z.B. die Förderung des Selbstwertgefühls und des Wohlbefindens, was zu einer entspannenden und angstlösenden Reaktion führt. Sie tragen daher auch zu einer besseren Atmosphäre im Klassenraum bei, indem sie Vertrauen aufbauen und Sicherheit vermitteln. Da Hunde Menschen so annehmen wie sie sind, ohne auf Äußerlichkeiten oder intellektuelles Wissen zu achten, fühlt man sich bestärkt und akzeptiert. Gerade das Agieren auf einer nonverbalen Ebene schafft einen idealen Gegenpol zu der notwendigerweise überfrachteten Lernumgebung. Durch den Hund bekommen die Schülerinnen und Schüler eine andere Rolle. Über diese Motivation können Defizite im Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten langsam und ein Stück weit aufgearbeitet werden.

Schulleiter Matthias Hermeler und UNESCO-Koordinator Carsten Krüger freuen sich über die hohe Auszeichnung.

Da Hunde Stimmungen wesentlich besser wahrnehmen können als wir Menschen, fördern sie gerade ruhige und schüchterne Kinder. Im heutigen, modernen Schulsystem können sie einen wichtigen Baustein im Bereich der individuellen Förderung darstellen.

Unterschiedliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Hunde eine wertvolle Hilfestellung bei der Wahrnehmung der eigenen Person sind. Mit Hunden kann man Verhalten nicht diskutieren, sie spiegeln es einfach und kehren es um. So kann emphatisch erreicht werden, die Rechte anderer Lebewesen zu erkennen und zu respektieren.

 

Andererseits hebt es das Selbstbewusstsein ungemein, wenn der Hund kleinere Befehle ausführt, oder wenn man für ihn sorgen kann und damit Verantwortung übernimmt (nach entsprechender Aufforderung üben die Schülerinnen und Schüler simple Kommandos wie „Sitz!“ und „Platz!“oder versorgen den Hund mit Wasser).

Schulen mit Schulhund

In Verl hat die Bühlbusch Schule einen Schulhund erfolgreich im Einsatz. Auch die Dritte Gesamtschule in Gütersloh und das Albertus Magnus Gymnasium in Beckum berichten beispielsweise sehr positiv über ihre Erfahrungen mit ihrem Schulhund.

Die Stadt Verl befürwortet den Einsatz des Schulhundes am Gymnasium Verl.

Voraussetzungen Hund und Ausbildung

Der Schulhund des Gymnasiums Verl heißt Gipsy und ist ein Labradoodle. Das bedeutet, dass es sich um eine geeignete Rasse für den Schulhundeinsatz handelt, was sowohl die Tierärztin als auch der Hundetrainer für Gipsy bestätigen.

Gipsy besitzt ein freundliches, ruhiges, ausgeglichenes Wesen, ist am Menschen orientiert und interessiert und absolut verträglich mit Kindern. Er ist weder ängstlich, bellfreudig noch geräuschempfindlich. Er zeigt keine Aggressionsbereitschaft und keinen Herdenschutztrieb. Er ist aufgeschlossen, selbstsicher und körperlich gesund. Zudem ist Gipsy als Labradoodle allergikerfreundlich.

Seit seinem Alter von zwölf Wochen besuchen wir wöchentlich die Hundeschule. Die Ausbildung des Schulhund-Lehrkraft-Teams ist intensiv und verläuft sehr gut, so dass wir in der fortgeschrittenen Gruppe weiter arbeiten. Gipsy wird die Begleithundeprüfung absolvieren.

Wie sieht der Alltag mit Gipsy voraussichtlich aus?

Der Schulhund begleitet den Halter durch die Schule, das bedeutet, dass er mich in den Unterricht begleitet. Kommt der Hund in den Raum, müssen die Schülerinnen und Schüler sofort aufhören zu rennen, rangeln oder schreien. Die Regeln werden mit der Klasse vorher besprochen. Im Klassenraum hängt ein Regelkatalog („Regeln für den Umgang mit Gipsy“).

Während des Unterrichts bewegt Gipsy sich frei in der Klasse. Die Kinder dürfen ihn aber nicht zu sich rufen. Er entscheidet, zu wem er geht und wo er sich hinlegt.

Die Schülerinnen und Schüler dürfen Gipsy auch streicheln, wenn er kommt, müssen es aber nicht. Die Anwesenheit des Hundes im Klassenraum muss von jedem toleriert werden, der Umgang ist aber auf freiwilliger Basis.

Übertreten die Schülerinnen und Schüler die vereinbarten Regeln, wird der Hund sofort geschützt und aus der Klasse entfernt. Regeln zum Umgang mit dem Hund werden nicht diskutiert und sind nicht verhandelbar. Auch werden die Kinder nicht zurechtgewiesen, sie erfahren einfach die Konsequenz ihres Handelns.

Die aus der Anwesenheit des Hundes resultierende ruhige Lernatmosphäre wird von Schüler- und Lehrerseite als sehr positiv erlebt.

Zu Beginn wird Gipsy in wenigen Klassen eingesetzt, um einen stressfreien Einstieg für ihn zu gewährleisten. Um die pädagogische Unterstützung, den Nutzen und den Kontakt mit unserem Schulhund möglichst vielen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, wird sein Einsatz schrittweise intensiviert.

Rechtliche Fragen

Die Gesundheit und Unbedenklichkeit des Hundes sowie vorgeschriebene Impfungen und regelmäßige Untersuchungen bei der Tierärztin sind bescheinigt. Der Sachkundenachweis liegt vor. Gipsy ist privat haftpflichtversichert. Eventuelle Ansprüche, die aus der Hundehaltung entstehen, sind damit versicherungstechnisch abgedeckt.

In der Klasse muss es die Möglichkeit geben sich nach dem Hundekontakt die Hände zu waschen (die Schülerinnen und Schüler werden auch diesbezüglich aufgeklärt und immer wieder darauf hingewiesen). Außerdem muss ein Desinfektionsmittel greifbar sein, falls dem Hund ein kleiner „Unfall“ passiert. Das wäre aber sicher die absolute Ausnahmesituation.

Bedenken

Eine eventuelle Angst vor Aggressionen und Beißunfällen ist unbegründet. Einige Schülerinnen und Schüler haben dennoch Angst vor Hunden. Durch Gipsys freundliche Ausstrahlung und sein offenes Wesen kann es aber gelingen, diese Angst zu vermindern und einen natürlichen Umgang mit dem Hund zu erlernen, was wir im und außerhalb des Unterrichts so erlebt haben.

Da der Labradoodle, also die Kreuzung aus Labrador und Pudel, als Familienhund mit wenigen Allergien auslösenden Auswirkungen und daher als der ideale Allergikerhund gilt, sollte es in dem Bereich der Hundeallergien hoffentlich keine Schwierigkeiten geben. In der Fachliteratur wird zudem beschrieben, dass Allergien gegen Tierhaare eine untergeordnete Rolle spielen. Diese wirken sich bei Hunden nur aus, wenn sich die Haare in Teppichen festsetzen oder wenn der Hund im gleichen Zimmer schläft. In der Schule reicht der Zeitraum dafür nicht aus.

Wibke Homberg mit Gipsy