Nathan der Weise Theaterexkursion

Theaterbesuch des Stücks „Nathan der Weise“ der Q2 in Essen 

Am 18.03.2022 besuchte unsere gesamte Stufe, die Q2, die Theateraufführung „Nathan der Weise“ in der Casa des Theaters und der Philharmonie Essen (TUP). Wir sind mit Bussen gefahren und wurden von Frau Zenses, Herrn Pötting, Herrn Rahmann und Herrn Lücker begleitet.

Bei diesem Theaterstück handelt es sich um eine moderne Auslegung dieses Dramas, welches aus der Epoche der Aufklärung stammt, von Gotthold Ephraim Lessing geschrieben und 1779 veröffentlicht wurde. Ursprünglich lässt es sich als geschlossenes und aristotelisches Drama in 5 Akten bezeichnen.  

Inhaltlich wird der Umgang, die Toleranz und die Überwindung diverser Vorurteile in Bezug auf verschiedene Religionen in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge anhand ihrer angespannten Beziehungen thematisiert, deren Überwindung die Charaktere letztendlich zu einer großen Familie werden lässt. Genauer gesagt verliebt sich ein junger christlicher, vom muslimischen Sultan begnadigter Tempelherr in Recha, die vermeintliche Tochter des jüdischen Kaufmanns Nathan, nachdem er sie aus einem brennenden Haus rettete. Daraufhin hält diese ihn fälschlicherweise für ihren rettenden Engel, der jedoch jeglichen Dank ablehnt, besonders den einer jüdischen Familie. Möglich war diese Rettung von Seiten des Tempelherrn allein durch seine Begnadigung durch den Sultan, aufgrund seiner Ähnlichkeit zu dessen verstorbenem Bruder. Derweil sorgt sich der muslimische Herrscher eher um seine finanzielle Situation und lässt sich diesbezüglich von Nathan, dem Weisen beraten, dessen Klugheit ihn tief beeindruckt.  

Der deutlich modernere Stil dieser Aufführung kennzeichnet sich besonders durch die Darstellung der einzelnen Charaktere: Sie tragen zwar jeweils charaktertypische Kostüme, jedoch sind diese zeitgemäß und unterscheiden sich somit beispielsweise von im ursprünglichen Drama beschriebenen eher altmodischen Umhängen. Auffällig bezüglich der Sprache ist, dass die überwiegende Verwendung der Blankverse in sprachlicher sowie formaler Anlehnung an die Ursprungsform wiederholt durch alltägliche, teilweise vulgäre Ausdrücke ergänzt wird, sodass die Sprache eine Art Verbindung zwischen Modernität und Ursprünglichkeit repräsentiert. Im Vergleich zum Original fällt zudem eine insgesamt freiere, teils gelöste Darstellung auf. Diese ist z.B. daran ersichtlich, dass die Handlung hier von 6 Schauspielern und 8 Charakteren veranschaulicht wird, sodass Doppelbesetzungen vorliegen, Charaktere ausgelassen werden, aber auch weibliche Darsteller männliche Charaktere, wie z.B. Nathan verkörpern und umgekehrt. Zusätzlich wurde die Reihenfolge einzelner Handlung verändert, sodass unter anderem die Ringparabel, die Schlüsselszene des Dramas, mit welcher Nathan dem Sultan seine Frage nach der wahren Weltreligion beantwortet, früher als im Original gezeigt wird. Des Weiteren ist die Modernität an der minimalistischen  Umsetzung bezüglichen des Bühnenbilds, der Requisiten und der Kostüme ersichtlich: der ausschließlich schwarze Raum, einzig ergänzt durch eine Plane als universelle Szenenausstattung als Leinwand oder Gebäude. Gleichzeitig gehören dazu technische Besonderheiten, wie der Einsatz von Musik, Tanz, eines Beamers und einer Kamera, welche das Gespielte mit Nahaufnahmen aufwertet und somit einzelne Emotionen und Szenen besonders hervorhebt. Dadurch sind ebenfalls Ähnlichkeiten zu Filmen und Musicals erkennbar.  

Besonders dadurch wird die Spannung und die Aufmerksamkeit der Zuschauer stets aufrecht erhalten, welches zudem daran liegt, dass die Haupthandlung, bzw. der Hauptkonflikt des Originals erhalten wurde. Gleichzeitig baut sich das Stück sowohl in seiner Dramatik, seiner Lautstärke, aber auch im seiner Komplexität der einzelnen Handlungen und der Darstellungsformen kontinuierlich auf. Zusammenhängend damit wird das Thema der Toleranz besonders am Ende deutlich und wird mithilfe von Schriftelementen anhand der Familienkonstellation mit Kreide auf den Boden und durch einen Beamer unterstützt.  

Insgesamt erachten wir den Besuch dieses Theaterstücks als sehr lohnenswert. Die vorliegende Modernität vermittelt die Handlung und das Thema, welches keinesfalls an Aktualität verloren hat, zugänglicher für den Betrachter, besonders für unsere Generation. Gleichzeitig verleiht diese dem Stück mehr Lebendigkeit, Ausdruck und Präsenz, welches durch die Schauspieler, die ihre Rollen zum Leben erweckt und somit sehr realistisch verkörpert haben, unterstützt wurde. Ebenfalls ist der Besuch hilfreich für die Abiturvorbereitung. Besonders sollte das Spielen der Schauspieler auf hohem Niveau und die vielseitigen Forderungen, wie natürlich das Spielen an sich, aber auch Gesang, Tanz und die Ausführung der Technik sowie einzelne Doppelrollen wertgeschätzt und gewürdigt werden. Gleichzeitig gehört dazu die kontinuierliche Harmonie trotz aller Wechsel aufgrund der ausgestrahlten Ruhe und Professionalität der Darsteller. Unseren Kurs überzeugten besonders die Schauspieler von Recha und Nathan.  

Mich persönlich fesselten und faszinierten vor allem die Gesangsszenen, die die Zuschauer meines Erachtens noch stärker in den Bann des Stücks zogen als die Dialoge. Dies zeigte sich auch an der dann vorliegenden andächtigen Stimmung des Publikums. Zudem waren die Gesangsszenen vielseitig gestaltet: So gab es Solos, Duette und einzelne Darsteller übernahmen auch die oft mehrstimmige Hintergrundmusik zu verschiedenen Sprechszenen. Dies bezüglich sprach mich besonders eine der Schlussszenen an, in der jede Figur ihr Hauptanliegen pointierte und dabei direkt zum Publikum sprach. 

Einzig am Anfang hat es einen Moment gedauert, bis die einzelnen Rollen ersichtlich waren, welches auch damit zusammenhing, dass die für die Musik verantwortliche Person räumlich gesehen nicht von den Darstellern getrennt war und zwischen ihnen saß.  

Trotzdem betrachtet unser gesamter Kurs diesen Theaterbesuch zusammenfassend als sehr bereichernd.  

Explizit möchten wir uns hiermit außerdem herzlich für die finanzielle Unterstützung durch den Förderverein unseres Gymnasiums bedanken.   

 

Pia Barduna 

Q2 Leistungskurs Deutsch Zenses